Soziales Pflichtjahr für Rentner
Pflichtjahr für Rentner in sozialen Diensten
Im kommenden Herbst stehen weitreichende Beschlüsse der Bundesregierung an, so soll u.a. der Umbau der Sozialsysteme beraten werden. Bärbel Bas spricht schon jetzt von notwendigen Reformen aber nicht von einem sozialen Kahlschlag. Lars Klingbeil bringt Steuererhöhungen ins Gespräch um die Steuerlöcher zu stopfen, aber Markus Söder widerspricht sofort vehement, wogegen Friedrich Merz den Zusammenhalt in der Koalition beschwört. Im selben Augenblick verkündet Andrea Nahles einen neuen Höchststand an Arbeitslosen - bei gleichzeitigem Fachkräftemangel.
Und als wenn das alles nicht genug wäre, veröffentlicht der Spiegel ein realitätsfernes dafür aber populistisches Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher. Hierin fordert er öffentlichkeitswirksam ein verbindliches Pflichtjahr für Rentner in sozialen Diensten. Er begründet seine Forderung mit Äußerungen wie „Solidarität der Alten mit den Jungen“, unterstellt den Rentnern „Ignoranz, Egoismus, Realitätsverlust und Naivität“. Er übersieht dabei völlig, dass rund die Hälfte der Senioren sich ehrenamtlich betätigt oder aber im familiären Bereich pflegerische Aufgaben übernimmt. Genauso absurd ist eine weitere Forderung Fratzschers, Kenntnisse und Erfahrungen ehemaliger Bundeswehrangehöriger im Rentenalter für die gegenwärtige Bundeswehr zu nutzen und sie dort das soziale Jahr absolvieren zu lassen. Seine Vorschläge erzeugen lediglich Ablehnung, statt zum Konfliktabbau beizutragen. Die Realität wird völlig ausgeblendet. Im Gegenteil bei den Angesprochenen herrscht die Ansicht vor, dass die jetzige Generation der Rentner genug im Leben gearbeitet hat. Jetzt sind die Jüngeren an der Reihe, aber bitte nicht als Influencer und Blogger, sondern als Teil der schaffenden Bevölkerung. Es darf aber nicht der Eindruck erweckt werden, dass die eine Altersgruppe gegen die andere Altersgruppe ausgespielt wird. Denn das führt nur zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft. Es ist viel wichtiger, dass Jung und Alt gemeinsam die anstehenden Probleme bewältigen. Wer Gesellschaft wirklich voranbringen will, muss ein Miteinander erleichtern, nicht erzwingen. Alles andere schafft höchstens neue Probleme statt bereits Vorhandene zu lösen.






